Diese Helden helfen per Mail
Telefonseelsorge 2.0 – ein Verein berät Jugendliche übers Internet.
Inka Brewing (28) checkt täglich ihre Mails, genau wie Zehntausende andere Berliner auch. Doch wenn die Kreuzbergerin ihr Postfach öffnet, findet sie nicht nur Nachrichten von Freunden, sondern auch von wildfremden Menschen.
Von Jugendlichen, die Liebeskummer oder Stress mit ihren Eltern haben. Die Angst vorm Sitzenbleiben haben, die an Magersucht leiden oder sich umbringen wollen. Mails von Jugendlichen, die einfach nicht mehr weiterwissen.
Psychologin Inka Brewing arbeitet unentgeltlich bei der Online-Beratung www.jugendnotmail.de des Vereins „jungundjetzt“ in Wannsee. Dort finden junge Menschen anonym und kostenlos Rat – ausschließlich per E-Mail. Rund 70 Psychologen, Sozialpädagogen und ehrenamtliche Mitarbeiter beantworten die Nachrichten innerhalb von 24 Stunden – an 365 Tagen im Jahr.
Jeden Monat 700 Hilferufe
Die Idee kam Lehrerin Claudine Krause (62) vor neun Jahren: „Im Schulalltag habe ich viele Kinder gesehen, die sich mit ihren Problemen alleingelassen fühlen. Deshalb wollte ich ein anonymes Angebot schaffen, wo sie ihre Sorgen abladen können.“ Anonymität heißt, dass die Jugendlichen sich nur mit einem Spitznamen auf der Internetseite des Vereins einloggen, um Kontakt mit einem Berater aufzunehmen. Alle anderen Angaben sind freiwillig.
Jugendnotmail.de will keine Konkurrenz zu anderen Beratungsstellen sein. Doch offenbar hat Claudine Krause eine Lücke im Beratungssystem für Kinder und Jugendliche erkannt. Denn seit Projekt-Gründung wurden bereits über 30000 Mails aus Deutschland, Österreich, der Schweiz und Luxemburg beantwortet. „Wir sind in den Köpfen der Jugendlichen angekommen“, sagt die Gründerin. Mittlerweile kommen jeden Monat 700 Mails mit Hilferufen.
Die Online-Beratung kann keine Therapie ersetzen, betont Inka Brewing. Denn langfristig fehle der direkte Kontakt. „Aber das anonyme Angebot baut die Hemmschwelle ab, sich an einen Psychologen zu wenden.“ Im E-Mail-Dialog mit den Jugendlichen versucht Brewing eine Lösung für deren Probleme zu finden. Viele vermittelt sie dann an Therapeuten weiter.
Und weil das Angebot so gefragt ist, soll es bald sogar eine türkischsprachige Plattform geben, um auf die spezifischen Probleme von Jugendlichen mit türkischem Migrationshintergrund eingehen zu können.
Wer sich beim Verein engagieren möchte, meldet sich bei Claudine Krause, Tel: (030) 804 966 93.

- Ansprechpartner:
- Claudine Krause,
(030) 804 966 93
www.jungundjetzt.info


