Berliner Tiertafel sucht Helfer
B.Z.-Aktion für die „Berliner Tiertafel“ – der Ausgabestelle für bedürftige Vierbeiner
„Am Anfang war es mir ja ein bisschen peinlich, mich hier anzustellen“, sagt Elfi Lindemann (58), „aber mittlerweile komme ich gerne und schäme mich nicht mehr. Schließlich geht’s um meine Charlotte.“ Die Rentnerin und ihre Hundedame Charlotte stehen ganz vorne in einer gut 20 Meter langen Schlange vor dem kleinen Flachbau in Treptow. In wenigen Minuten öffnet hier wie jeden Sonnabend die Tür der „Berliner Tiertafel“ – eine Futterausgabestelle in Treptow für die Tiere bedürftiger Berliner.
Über 300 Menschen nehmen das Angebot jede Woche in Anspruch, 1300 sind in der Hilfs-Kartei registriert. Organisiert wird das Angebot von ehrenamtlichen Helfern, gespendetem Futter und Geld. „Denn Tierliebe geht zwar durch den Magen – macht aber nicht satt“, sagt die Leiterin der Tiertafel Regina Schütze (32).
„Vielen unserer Besucher gehen die Tiere über alles, aber oft fehlen ihnen die Mittel, sie ausreichend zu versorgen.“ Mit 15 Ehrenamtlichen organisiert sie deshalb die Hilfsaktion für Berlins Tiere. Viel zu wenig Helfer für den großen Andrang. Deshalb hat sie über die B.Z. nach Helfern gesucht, die die Initiative unterstützen. Auch Hunde brauchen Helden. „Vor allem bei der Ausgabe brauchen wir Leute, aber wir sind auch auf Futter- und Sachspenden wie Halsbänder oder Kratzbäume für Katzen angewiesen.
Vor zwei Wochen rief die B.Z. deshalb zur Unterstützung auf. Mit Erfolg: „Wir waren überwältigt vom Ansturm“, sagt Schütze, „über 100 Menschen haben angerufen, wollten wissen, was wir tun, haben Geld und Futter gespendet. Danke.“
Seppel muss zu Hause bleiben
Und wenige Tage nach dem Aufruf waren schon die ersten Helfer da. Einer ist Willi Oetting (56) aus Neukölln.
Er steht bereits am Ausgabetresen der Tiertafel, schaufelt für Elfi Lindemann und ihre Charlotte Trockenfutter in eine Plastiktüte.
Seine Frau Adelheide hat ihn hergeschickt: „Ich soll mich da mal einbringen. Ich hab ja selber einen Hund, da kann man schon mal was für andere Tiere tun.“ Seinen Spitz Seppel hat er aber erst mal zu Hause gelassen.
Neben Willi steht Gabi Großmann (47). Sie ist gerade auf Kurzarbeit: „Jetzt habe ich Zeit und kann ja etwas Sinnvolles tun.“ Ihre beiden Hauskatzen warteten so lange in der Wohnung. Jetzt versorgt sie erst einmal Hundebesitzerin Jenny (32). Die Neuköllnerin ist mit Sohn Max (8) und Bulldogge Spike gekommen: „Wir nehmen nur eine kleine Portion“, sagt sie „sonst wird Spike zu fett.“ Der nächste ist Christian (31) mit Herkules (7). Doch der spindeldürre Mischling macht seinem Namen noch keine Ehre: „Wir haben das letzte halbe Jahr auf der Straße gelebt, jetzt wird er wieder aufgepäppelt“. Christian hat eine Tüte und einen Rucksack dabei. Er kommt seit drei Wochen, war bei der Tiertafel auch bei einer Tierärztin. Seit kurzem hat er wieder eine Wohnung – jetzt soll es Herkules an nichts mehr mangeln: „Sogar ein neues Halsband hat er letztes Mal hier bekommen.“
Regina Schütze hört oft solche Geschichten: „Man ist auch ein bisschen Sozialarbeiter für die Zweibeiner.“ Denn die meisten Menschen und Tiere, die hierherkommen, haben eine Geschichte, sind arbeitslos geworden, haben Angst um ihre Hunde und Katzen. „Andere setzen ihre Tiere einfach aus“, sagt Effi Lindemann, „da sollte man lieber unsere Hilfe annehmen.“
Die Tiertafel ist Sonnabend von 11 bis 16 Uhr geöffnet.
Adresse: Mörikestraße 15, 12437 Berlin-Treptow.
Infos unter 03385/494 965 (Mo.-Fr. 11-17 Uhr).

- Termin:
- Ab sofort Sonnabends 11 bis 16 Uhr.
- Adresse:
- Mörikestraße 15, 12437 Berlin-Treptow.
- Ansprechpartner:
- Infos unter 03385/494 965 (Mo.-Fr. 11-17 Uhr).


