Wir Helden vom Bahnhof Zoo
Beim Blind-Date der B.Z. schnippelten zehn Helfer Obst für Obdachlose
Beim Supermarkt „Ullrich“ wird das Obst abgeholt
Die B.Z. hat zum ersten „Helden-Blind-Date“ aufgerufen. Zwei Stunden wollen wir etwas Gutes tun. Aber was und wo haben wir nicht verraten. Kommt trotzdem jemand? Wir sind gespannt, aber auf die B.Z.-Leser ist Verlass.
Einer der ersten, der zum Treffpunkt vor dem Eingang im Kranzler-Eck kommt, ist Michael Gennermann (52, Verwaltungswirt aus Steglitz). „Für Überraschungen bin ich immer zu haben.“ Am Dienstag hat er den Aufruf in der B.Z. gelesen und beschlossen: „Da bin ich dabei!“. Die nächste ist Jutta Melchior-Andric (70), pensionierte Finanzamtsprüferin aus Wilmersdorf. Auch sie will helfen. „Ich bewege doch nichts, wenn ich zu Hause sitze – da kommt mir die Aktion gerade recht.“ Florentine Bredow (60, aus Charlottenburg) stellt sich gleich zum B.Z.-Helden-Bär: „Der gefällt mir!“
Um halb eins sind zehn Freiwillige gespannt, wo es hingeht. B.Z.-Mitarbeiterin Pia Frauenhoffer klärt auf: „Wir gehen jetzt zur Bahnhofsmission und schnippeln Obstsalat für Obdachlose am Bahnhof Zoo.“
Aber zuerst wird beim Supermarkt „Ullrich“ das Obst abgeholt. Geschäftsführer Bernd Woblack ist eingeweiht, spendiert die Lebensmittel: „Das ist für einen guten Zweck. Da helfen wir gerne.“ Die Blind-Date-Helden packen zwei Kisten Äpfel, einen Karton Bananen, 15 frische Ananas und Weintrauben ein. Am Bahnhof Zoo erwartet sie schon Dieter Puhl, der Chef der Bahnhofsmission: „Vielen Dank, dass Sie gekommen sind“, begrüßt er die Helden und erklärt kurz seine Einrichtung: „Wir versuchen zu helfen, wenn jemand in Not ist.“ Egal ob ein Reisender sein Gepäck verloren hat – oder ein Obdachloser ein warmes Essen braucht. „800 Menschen finden hier jeden Tag Hilfe.“ Unterstützt wird das Blind Date von der Aktion „Vitamin B“ der Berliner Diakonie, die seit drei Jahren Helfer für über 50 Einrichtungen der Berliner Kältehilfe organisiert.
Dann zücken die Helden ihre Messer. Enrico Schrank (32) aus Wedding schnappt sich ein paar Äpfel, legt los: „Ich habe heute frei, da kann ich doch mal was Gutes tun.“ Neben ihm nimmt sich Landwirt Jens Nessen (38) aus Spandau ein paar Bananen vor. Ehrenamtlich haben sich die beiden bisher noch nie engagiert, aber das wollen sie jetzt ändern: „Das macht Lust auf mehr“, sagt Enrico. Mit in der Runde sitzen auch Detlef Müller (48) aus Tiergarten und Gerhard Reusche (61) aus Tempelhof. Er ist der einzige „Ehrenamtsprofi“ in der Runde, seit 45 Jahren beim Roten Kreuz aktiv. Stück für Stück zerlegen sie das Obst. Keine Stunde dauert es, dann sind drei große Eimer voll – 100 Portionen.
Julia Gensch (32), Hauswirtschaftshelferin aus Friedrichshain, füllt sie in kleine, weiße Schälchen. Jetzt drängt die Zeit. Draußen stehen schon über 50 Bedürftige, warten auf Essen. Und den Helden-Obstsalat. Um 14 Uhr öffnet Dieter Puhl die Tür. Dann geht’s los. Dieter (65) und Erwin (64, Spitzname „Opa“) sind die ersten, die eins der Schälchen von Heldin Jutta ergattern. Beide leben auf der Straße, freuen sich über die Vitaminspritze: „Sieht sehr lecker aus und schmeckt auch so. Echt ’ne klasse Idee von euch“, lobt Erwin die Helden vom Bahnhof Zoo. Von der B.Z. gibt’s für alle den Helden-Pin. Und das nächste Blind-Date ist natürlich schon in Planung.








