Starke Heldin in schwachem Körper
Anja Hentschel (38) ist unheilbar krank - und arbeitet ehrenamtlich im Kinderhospiz.
Anja Hentschel (38) leidet unter Muskelschwund, sitzt seit zehn Jahren im Rollstuhl. Die Krankheit ist unheilbar, vielleicht hat die Berlinerin nur noch wenige Jahre zu leben. Doch sie sagt: „Ich habe so viel Glück gehabt. Davon möchte ich gerne etwas zurückgeben.“
Ein bemerkenswerter Satz von einem bemerkenswerten Menschen. Denn trotz ihrer Behinderung hilft Anja Hentschel seit fast fünf Jahren ehrenamtlich im Büro des Kinderhospizes Sonnenhof in Pankow.
„Ich hatte viel Glück im Leben, das möchte ich zurückgeben“
Seit sieben Jahren werden hier todkranke Kinder sowie deren Eltern und Geschwister betreut. Einige der jungen Bewohner haben Krebs, andere leiden unter Blut-, Herz- oder Hirn-Erkrankungen. Sie alle werden nicht alt werden. Die Menschen vom Sonnenhof versuchen, ihnen und ihren nächsten Angehörigen den manchmal langen, bei anderen schnellen Abschied so angenehm wie möglich zu gestalten.
Bei der Organisation der vielfältigen Therapie- und Freizeitangebote des Hospizes fällt viel Büroarbeit an. Und ohne ehrenamtliche Helfer wie Anja Hentschel wäre diese kaum zu bewältigen. „Durch eine Bekannte habe ich vom Sonnenhof erfahren und hatte gleich Lust, hier zu helfen“, erzählt die gelernte Bürokauffrau. „Und da ich selbst keine eigenen habe, freue ich mich, etwas für Kinder machen zu können.“
Wegen ihrer Behinderung hat Hentschel in ihrem Beruf bei einem Pflegeverein keine volle Stelle, weshalb sie dreimal in der Woche zwei bis vier Stunden im Sonnenhof arbeiten kann. Sie pflegt Adresslisten, verschickt Einladungen oder unterstützt die Kollegen bei der Organisation von Veranstaltungen. Ihre Krankheit ist dabei kein Hindernis. „Ich sage immer, ich kann alles“, sagt sie. „Außer Treppensteigen!“
„Mich selbst und meine Krankheit nehme ich einfach nicht so ernst“
Dabei hätte sie selbst allen Grund, ihr Schicksal zu beklagen. Stattdessen erzählt sie von ihrer glücklichen Kindheit und wie liebevoll sich ihre Eltern um sie gekümmert haben. „Ich nehme mich selbst und meine Krankheit nicht so ernst“, sagt sie. „Wenn ich die Kinder hier sehe, muss ich dankbar sein, schon so viel Schönes erlebt zu haben.“ Außerdem will sie anderen Behinderten zeigen, dass sich jeder Mensch für andere engagieren kann – selbst wenn man im Rollstuhl sitzt.





