Orden für die Ordensschwester
Bundesverdienstkreuz für die Betreuung Aids-Kranker.
Der ambulante Hospizdienst Tauwerk e.V. wurde 1997 von den beiden Franziskanerinnen Schwester Juvenalis (72) und Schwester Hannelore (50) gegründet. Jedes Jahr betreuen sie mit 35 Mitarbeitern um die 60 Aids-Kranke.
Im letzten Jahr hatten sie 26 Todesfälle zu beklagen. Am Freitag bekam Schwester Juvenalis für die Arbeit des Hospizdienstes das Bundesverdienstkreuz. !Z: Schwester Juvenalis, Sie sind katholische Nonne. Warum haben Sie sich ausgerechnet dafür entschieden, Aids-Kranke zu pflegen?
Schwester Juvenalis: Unser Ordensgründer, Franz von Assisi, ging im 13. Jahrhundert zu den Lepra-Kranken, die ausgestoßen vor den Toren der Stadt lebten. Wir wandeln nun auf seinen Spuren. Denn Aids ist immer noch ein Tabu-Thema in der Gesellschaft.
Was gab den Anstoß zu Ihrem Engagement?
Während meiner Arbeit auf der Männerstation eines Krankenhauses hatte ich schon früh Kontakt mit Aids-Kranken. Die erzählten oft, dass sie freiwillig nie in ein katholisches Krankenhaus gegangen wären. Aber dann sagte mir einer der Patienten, dass er bei uns ein anderes Gesicht von Kirche kennengelernt habe. Das hat mich nicht mehr losgelassen. !Ungefähr die Hälfte Ihrer Patienten ist homosexuell. Kein Problem für Sie als Katholikin?
Das denken diese selbst oft. Einmal rief einer bei uns an und sagte: „Ich bin schwul, glaube nicht an Gott, trinke am Tag zehn Dosen Bier und habe Aids – können Sie mir helfen?“ Seine größte Angst war, dass er seinen Hund abgeben muss. Da haben wir dann dafür gesorgt, dass er den Hund behalten konnte.
Sie halten den Patienten also keine Moralpredigten?
Im Gegenteil. Manchmal müssen wir sogar bei den Angehörigen für Akzeptanz der Lebensweise eines Patienten werben. Manche Eltern erfahren erst im Moment der Erkrankung von der Homosexualität ihres Sohnes.
Was sagen Sie dann den Eltern?
Diese fragen sich oft als Erstes: Was haben wir in der Erziehung falsch gemacht? Dann sagen wir ihnen: Sie haben gar nichts falsch gemacht. Gott liebt jeden Menschen, wie er ist.
Wie helfen Sie den Erkrankten?
Das hängt davon ab, wie es ihnen geht und wie schnell die Krankheit voranschreitet. Generell versuchen wir, alles zu machen, was ihnen guttut. Wir schieben sie im Rollstuhl spazieren, gehen ins Café oder ins Kino.
Und wenn die Kraft nicht mehr reicht?
Dann ist vor allem wichtig, dass wir bedingungslos für sie da sind. Wir kommen auch mitten in der Nacht zu ihnen. Schwester Hannelore, unsere hauptamtliche Mitarbeiterin Katharina Wönne und ich teilen uns die 24-stündige Rufbereitschaft, haben immer das Telefon neben dem Bett. !Ohne die 34 ehrenamtlichen Mitarbeiter wäre das nicht möglich?
Nein. Deshalb empfinde ich die Auszeichnung auch in erster Linie als Anerkennung der Arbeit aller Ehrenamtlichen.
Wie gehen Sie damit um, wenn einer Ihrer Patienten stirbt?
Das geht mir jedes Mal wieder sehr nah und ist unabhängig von der Länge der Begleitung. Um das zu bewältigen, sind unterschiedliche Kraftquellen wichtig:
Musik, ein gutes Buch, schön Essen gehen, eine Schneewanderung. Denn ich kann mir meine Kraft nicht nur aus dem Glauben und dem Gebet holen.





