Warmes für den Winter
Heldentransport mit 20 prallvollen Kleidersäcken für Obdachlose
Dringender Anruf im Heldenbüro der B.Z.. Die Kleiderkammer am Ostbahnhof meldet: „Wir brauchen für Obdachlose Warmes für den Winter.“ Das Problem soll gelöst werden – schnell und gründlich.
Franziska Hartmann vom Heldenbüro hat eine Idee: „Die Kirchengemeinde Staaken hat uns warme Sachen angeboten. Alles Spenden aus dem Kiez, nur haben sie keinen Lkw, um alles zu transportieren.“
Ein rettender Engel muss her, der preiswert ein großes Auto zur Verfügung stellt. Anruf bei Reifen-Köhrich in der Charlottenburger Bismarckstraße. Jens Nied (30) sagt spontan: „Kein Problem, die Helden bekommen einen Nissan-Kastenwagen. Vollgetankt, für 24 Stunden, natürlich gratis.“
Damit geht’s am Morgen raus nach Staaken, zum Pillnitzer Weg. Eva Sommer (56) und Constanze Schönbrodt (30) erwarten schon ungeduldig den Heldentransport. „Bei uns kommen mehr Kleiderspenden rein als wir weitergeben können. Viele warme Wintermäntel, dicke Pullover und Schuhe.“
Rund 20 Säcke stehen im Keller der „Kita Regenbogen“ bereit und werden verladen. Das dauert nur ein paar Minuten, und schon rollt der kleine Brummi Richtung Innenstadt. Eva und Constanze winken.
Heldenteam aus Staaken
Beide haben noch viel zu tun. Einmal wöchentlich ist „Laib & Seele“-Tag hier in Staaken. Dann bekommen bis zu 500 Bedürftige für einen symbolischen Euro Lebensmittel. Außerdem ist in ihrer Kleiderkammer (gibt es seit Frühjahr 2008) immer etwas zu tun. Eva schneidert selbst, Constanze sortiert, sechs weitere Helfer sind ehrenamtlich im Einsatz, ein echtes Heldenteam.
Inzwischen parkt der Kastenwagen am Ostbahnhof. Am Stralauer Platz koordiniert Matthias Dahlkemper (42) als Arzt die Tagesstätte für Obdachlose. Die Notgesellschaft für Gesundheit kümmert sich mit medizinischer Beratung, einer Essenausgabe und Kleiderkammer um die Bedürftigen.
Die Kleidersäcke aus Staaken werden sofort ausgeladen. Helfer gibt es genug, nur eben nicht immer Spenden. Der Doc ruft: „Alle anfassen!“ Heinz, Patrick und Peter schultern die Säcke. Auch die Schwestern Marina, Kerstin und Anita packen mit an. Wenige Augenblicke später ist die kostbare Fracht in der Ausgabestelle verstaut. Dahlkemper: „Bis zu 80 Obdachlose kommen jeden Tag zu uns.“ Sein Kollege Lothar Münchow (51) organisiert die Kleiderausgabe und betont: „Zu uns kommen hauptsächlich Männer. Und in der kalten Jahreszeit wird alles gebraucht, was wärmt. Aber auch Unterhosen, Socken und Schlafsäcke.“
Jede Spende ist jetzt willkommen. Infos zu dem gemeinnützigen Unternehmen der Ärztekammer Berlin unter: www.mut-gesundheit.de



