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Spandau

Reifen platt! Bis Familie Völschow kam

Im Spandauer Johannisstift wurden alte Drahtesel wieder richtig flottgemacht

Für die Kids ist es total wichtig, auch mal rauszukommen

Als Ronald Berwig (34) die ramponierten Fahrräder im Keller begutachtete, verließ ihn fast der Mut: Fast alle Reifen platt, viele Lampen kaputt, sogar Sättel fehlten. „Das wird wohl nichts mit der geplanten Herbst-Tour“, dachte er. „Schließlich habe ich vom Fahrradreparieren überhaupt keine Ahnung.“

 

Eigentlich wollte Berwig mit seinen Kindern einen schönen Ausflug machen. Seit ein paar Monaten arbeitet er als Erzieher beim evangelischen Johannisstift in Spandau. „Seine“ Kinder sind ihm schon ans Herz gewachsen: acht Jugendliche zwischen zehn und sechzehn Jahren, die aus unterschiedlichsten Gründen nicht mehr bei ihren Eltern wohnen können. In Spandau haben sie in der Wohngemeinschaft vorübergehend ein neues Zuhause gefunden. Ronald Berwig und seine Kollegin Marlies Döhring (51) sorgen für einen geregelten Tagesablauf, kochen, helfen bei den Hausaufgaben. Vor allem aber sind sie einfach für die Kinder da. „Dazu gehört auch, dass wir gemeinsame Ausflüge machen. Für die Kids ist es total wichtig, auch mal rauszukommen.“


Deshalb suchte sich Ronald Berwig Helferhelden, um die Räder wieder flottzubekommen. Und er fand Thomas Völschow (44). Der IT-Berater brachte seine ganze Familie zur Unterstützung mit. „Wir sind uns dessen bewusst, dass es uns sehr gut geht“, sagte seine Lebensgefährtin Cornelia Dethloff (38). „Daher ist es für uns selbstverständlich, anderen zu helfen.“ Mal in einer Suppenküche, mal in einer Kita und heute im Fahrradkeller.


Bei Sohn Edgar (11) ist die Botschaft längst angekommen, er werkelte mit. Und sogar der kleine Arthur (2) reichte seinem Vater schon die Schraubenschlüssel. Nach drei Stunden waren zwar noch nicht alle Fahrräder wieder einsatzbereit. „Aber das Wichtigste ist geschafft und jetzt weiß ich wenigstens, welche Ersatzteile ich noch kaufen muss“, sagte Ronald Berwig erleichtert. Schließlich ist er Erzieher und kein Fahrrad-Profi.


Dafür fand er ja Berliner Helden wie die Völschows. Die dafür gesorgt haben, dass die geplante Radtour nun doch noch stattfindet.
 

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