Deutsche Bank renoviert Jugendtreff
Hier hämmern, sägen und schrauben sich zehn Banker zu Helden
Der Chef hämmert, Trainees sägen und die Sachbearbeiter reißen auf drei Metern Höhe Dachpappe ab. Eine komplette Abteilung der Deutschen Bank hat die Nadelstreifenanzüge mit Arbeitshosen getauscht.
Eigentlich verkaufen diese zehn Banker Kredite an Unternehmen. Doch heute packen sie mal ganz handfest an und helfen Berliner Kindern. Für den guten Zweck werkeln die Mitarbeiter im Marzahner Jugendtreff Magdalena und sanieren dort das Dach von zwei Pavillons. „Die sind schon lange so marode, dass man sie gar nicht mehr benutzen kann“, sagt der Leiter der Caritas-Einrichtung Joachim Radtke. „Jetzt sollen sie winterfest gemacht werden, damit man auch bei Regen raus in den Garten kann.“ Rund 100 Kinder und Jugendliche aus dem sozialschwachen Kiez nahe der Frankfurter Straße kommen jeden Nachmittag in die Einrichtung. Das Angebot der Deutschen Bank kam da gerade Recht. Einen Tag im Jahr gibt das Geld-Institut seinen Mitarbeitern bezahlten Urlaub, um sich ehrenamtlich zu engagieren.
„Wir haben uns dazu genau dieses Projekt ausgesucht“, sagt Mitarbeiterin Michaela Reitschuster (52), die mit ihrem Kollegen Michael Lober (48), den Kontakt zur Caritas hergestellt hat. „Wichtig war uns, dass wir uns für Kinder engagieren und dass wir als Büro etwas gemeinsam machen können“, sagt sie. Denn der Arbeitseinsatz soll auch fürs Team eine Bereicherung sein. „Statt am PC zu sitzen, arbeiten alle zusammen Hand in Hand. Das stärkt den Teamgeist.“ Voriges Jahr hat die Bürogemeinschaft (alle arbeiten im Deutsche-Bank-Gebäude Unter den Linden) den Garten einer Kita umgegraben, dieses Jahr sollte es der Jugendtreff sein. Ob alles klappt, weiß sie noch nicht: „Wir sind ja Schreibtischarbeiter, mal sehen wie wir uns hier anstellen…“
Doch nach den Anfangs-Sorgen („Hält das Dach, wenn ich darauf steige?“) und leichter Höhenangst sind alle voll dabei. Die marode Dachpappe muss runter, löchrige Bretter werden rausgerissen, durch neue Bohlen ersetzt.
Arthur Bäcker (49), beim Jugendtreff für alles Handwerkliche zuständig, leitet die Freiwilligen an. Er ist beeindruckt: „Sie kommen doppelt so schnell voran, wie ich gedacht hätte.“ Auch wenn die Banker zwischendurch ans summende Handy gehen („So ganz frei hat man nie“), ist die meiste Arbeit am Abend erledigt. Auf den Dächern funkeln neue helle Bohlen: „Das ist schon eine Genugtuung, wenn man sieht, was man geschafft hat“, freut sich Jennifer Henke (24). Den Bonus bekommen heute trotzdem nicht die erfolgreichen Banker – der geht an den Guten Zweck. Fürs Material haben die Freiwilligen noch einen Scheck mitgebracht: 1500 Euro gehen an den Jugendtreff.

