Kirchen-Schmierer zum Teufel
Das Gotteshaus am Lausitzer Platz ist wieder sauber – und wird es bleiben
Echte Berliner Helden bleiben am Ball. Ihre Einsätze sind keine Eintagsfliegen. Ein gutes Beispiel sind die fleißigen (und coolen) Reinigungsexperten der Firma „Graffiti frei“.
Vor vier Wochen reinigten sie mit der B.Z. spontan Parkbänke und das Heine-Denkmal im Weinbergpark. Jetzt kümmern sie sich ehrenamtlich um eine Kirche. Firmenchef Gerald Schramm (46) schickte sein Team zur Emmaus-Kirche am Lausitzer Platz. „Dort war fast die gesamte Fassade bis zwei Meter Höhe beschmiert – und das seit Jahrzehnten. Kein schöner Anblick. Wir haben uns vorgenommen, das zu ändern.“
Gesagt, getan. Matthias Zinn (38) brauchte diesmal schweres Gerät. Ein Kompressor mit Niederdruckstrahlgerät. Mit 5 Bar Druck entfernt ein Spezial-Granulat den hässlichen Lack.
Die Rezepturen lässt die Firma seit zehn Jahren von einem Chemiker zusammenstellen. Zinn: „Sie müssen die Fläche säubern, ohne sie anzugreifen.“ 3500 Einsätze leistet die Firma jedes Jahr, darunter auch immer wieder ehrenamtliche. Schramm: „Wenn wir kommen, dann garantieren wir auch, dass die Flächen sauber bleiben. Werden sie wieder beschmiert, rücken wir innerhalb von 24 Stunden an. Das nervt die Sprayer und sie lassen die Fassade in Ruhe.“
Pfarrer Jörg Machel ist dankbar, dass sich die Berliner Helden der Kirche angenommen haben. „In Eigenregie hatten wir schon den Kampf gegen Graffiti an der Ölbergkirche am Paul-Lincke-Ufer und am Gemeindehaus aufgenommen. Dort kann man einfach die Wände immer wieder streichen, aber bei der Backstein-Kirche am Lausitzer Platz brauchten wir Fachleute.“ Um sie zu bezahlen, fehlte der Gemeinde das Geld. Sie muss Prioritäten setzen. Und die Offenhaltung der Wärmestube für Obdachlose ist wichtiger.
Die Kirche bleibt sauber!
Auch viele Anwohner sind glücklich über die gereinigte Fassade. Machel: „Die Graffiti waren nicht schützenswert, schlicht Schmierereien. Durch die Aktion kommt die Schönheit der Kirche wieder voll zur Geltung. Sie ist ein öffentlicher Ort und wichtig für den Kiez.“ „Graffiti frei“ verspricht, dass die Kirche sauber bleibt. Gerald Schramm: „Man muss am Ball bleiben, irgendwann verlieren die Schmierer die Lust. Das ist kein Wunschtraum, sondern unsere langjährige Erfahrung.“
Die Aktion angestoßen hat Mit-Sponsor Christian Bornhauser (55). Der Physiker berichtet: „Mir war der verwahrloste Zustand schon lange ein Dorn im Auge. Jetzt würde ich mir wünschen, dass noch mehr Menschen etwas springen lassen. Obwohl der Bezirk schon viel tut, könnte der Lausitzer Platz noch viel Heldenhilfe gebrauchen.“ Also, liebe Kreuzberger Nachbarn, starten Sie auch ein Projekt und werden Sie Berliner Helden. Anmeldung unter: www.Berliner-Helden.com





