Ihr Ehrenamt ist eine Frage der Ehre
Junge Neuköllner vom Projekt „Heroes“ versuchen, traditionell-muslimische Moralvorstellungen aufzubrechen
Manchmal stoßen sie auf Unverständnis. „Wo ist das Problem bei einem Mini-Rock?“, fragte kürzlich ein russischstämmiger Schüler, als Deniz (20) und seine Mitstreiter vom Projekt „Berlin Heroes“ vor einer Oberstufenklasse standen. Er konnte nicht verstehen, warum sich junge muslimische Männer durch eine sexy gekleidete Schwester in ihrer Ehre verletzt fühlen.
Die „Berlin Heroes“, das sind 17 junge Männer mit türkischem und arabischem Hintergrund. Sie besuchen Schulen, Freizeitheime und Jugendtreffs, um dort mit den Jugendlichen über Themen wie Gleichberechtigung von Frauen und allgemeingültige Menschenrechte zu diskutieren. Und immer wieder geht es um die Ehre – und falsche Vorstellungen davon.
„In Rollenspielen stellen wir typische Szenen aus traditionell muslimischen Familien nach“, erzählt Deniz. „Danach entstehen immer Diskussionen, die die meisten zu Hause nicht führen können oder wollen.“ Doch die „Heroes“ kommen nicht als besserwisserische Oberlehrer, die den oft gleichaltrigen Zuhörern ihre Meinung aufdrücken wollen.
Die Heroes kommen nicht mit der Peitsche in die Schule
„Es dauert bei den Schülern meist einige Zeit, bis sie merken, dass wir nicht mit der Peitsche da sind“, sagt Yilmaz Atmaca (39). Der diplomierte Theaterpädagoge leitet das Projekt und weiß, dass junge Leute aus demselben Kulturkreis viel besser an die Schüler mit Migrationshintergrund rankommen, als jeder Lehrer. „Bei denen wissen sie, dass sie aus eigenen Erfahrungen sprechen und ihre Probleme wirklich verstehen.“
Dass sie in einem dreistündigen Workshop nicht die Ansichten von jemandem ändern können, der 20 Jahre traditionell-konservativ erzogen wurde, darüber macht sich Deniz keine Illusionen. „Aber wenn jemand nur für ein paar Minuten über das Gehörte nachdenkt, nachdem wir da waren, hat sich unser Besuch schon gelohnt.“
Nachdem der Schüler mit den russischen Wurzeln seine Mini-Rock-Frage gestellt hatte, entbrannte übrigens eine lebhafte Diskussion um das Tragen von Mini-Röcken – und die „Heroes“ hatten ihr Ziel erreicht.
Die „Heroes“ suchen junge Männer mit Migrationshintergrund, die bei ihnen einsteigen wollen. Infos gibt es im Heroes-Büro in der Falkstraße 27, 12053 Berlin (Neukölln) oder unter Tel: (030) 509 18 060.





