Hornissen-Helden von Heiligensee
Helfer des Naturschutzbunds kümmern sich um Berlins Insekten.
Aufgeregt klettert Alexander (11) die Leiter am Baum zu einem unauffälligen Holzkasten hinauf. „Darf ich reingucken?“, strahlt er. Im Inneren befindet sich ein verlassenes Hornissennest, doch Angst hat er keine. Er weiß: noch ist keine Saison für die Insekten. Auf dem Boden des Kastens liegt nur ein totes Tier.
Doch eigentlich geht es Alexander um lebendige Hornissen – er ist Hornissenetter.
Zusammen mit einer Gruppe des Berliner Naturschutzbunds (NABU) und seiner Mutter ist er heute zum jährlichen „KehrOut“ in Heiligensee unterwegs. Die Nistkästen werden von alten Nestern säubern, so entsteht Platz für neue Völker. „Normalerweise nisten Hornissen in hohlen Bäumen, aber die gibt es kaum noch“, erklärt Gruppenleiter Erik Baumann (39). 107 Nistplätze hat er deshalb in den letzten Jahren gebaut.
Alexander ist heute zum ersten Mal dabei: „Ich mag normalerweise Echsen lieber, aber Hornissen finde ich auch toll“, erzählt er eifrig. Angst vor Stichen? „Nein“, sagt er mutig. Dafür gibt es auch keinen Grund. Erik Baumann verteidigt die missverstandenen Tiere: „Es ist fast eine Kunst, eine Hornisse so zu reizen, dass sie zusticht“, sagt er. „Sie sind eigentlich ängstlich, fliegen nicht auf Kuchen und süße Säfte, sondern ernähren sich von Wespen – und sollten deshalb eigentlich gern gesehen sein.“
Aber natürlich sind sie das nicht überall. „In der Nähe von Kindergärten oder Schulen ist die Gefahr zu groß, dass jemand versehentlich dagegen stößt. Dann werden auch Hornissen wütend“, erklärt Erik Baumann. Wenn dann doch ein Hornissennest weg muss, helfen die „Umsiedler“ des NABU Berlin. Sie bringen die Hornissen ein einen weniger gefährlichen Ort, wie die Nistkästen. Nur 4 % der gemeldeten Nester müssen auf diesem Wege tatsächlich abgetötet werden – für Hornissenretter und Natur gleichermaßen ein Erfolg. Tödlich sind die Hornissenstiche übrigens ebenfalls nicht: „Ich habe einmal einen Vogelnistkasten voller Hornissen geöffnet“, berichtet Erik Baumann, „und wurde 12-mal gestochen!“.
Alexander lässt sich davon nicht mehr abschrecken. Er findet Hymenopteren (Bienen, Hummeln, Wespen und Hornissen) toll. Vielleicht will er später mal Imker werden.
Wer auch Nester säubern, Hornissen beobachten oder Kästen bauen oder warten will, kann sich im Internet unter www.berlin.nabu.de über den Hymenopteren-Dienst oder telefonisch unter Tel: 01636859596 informieren.





