Hier werden Patienten zu Helden
Bei Pinel in Hohenschönhausen geben psychisch Kranke selbst Kurse.
Diese Helden helfen sich selbst. Und anderen. Und die anderen helfen wieder den Helden. Klingt kompliziert? Ist aber ganz einfach: Bei der gemeinnützigen Gesellschaft Pinel, die psychisch kranke Menschen unterstützt, werden diverse Aktivitäten mal von Betroffenen, mal von externen Ehrenamtlichen geleitet – und jeder lernt von jedem.
„Bei uns arbeiten Menschen mit Psychiatrie-Erfahrung, hauptamtliche Mitarbeiter und Ehrenamtliche auf Augenhöhe zusammen“, erklärt Petra Pröfrock (53). Sie ist eine von drei Betroffenen, die 2005 zusammen mit einer Bürgerhelferin und zwei Angestellten der Pinel gGmbH einen Aktions-Stammtisch gründeten. Dieser organisiert seitdem im Manet-Club in der Großen-Leege-Straße in Hohenschönhausen Kreativ-Kurse – vom Computer-Training über Nähzirkel, Back-Kurs und Kunst-Werkstatt bis zur Foto-Gruppe.
Dadurch wird Menschen mit psychischer Erkrankung auf zweifache Weise der Weg zurück ins geregelte Leben erleichtert: Sie können eigene Fähigkeiten ausbauen und sammeln Selbstbewusstsein als Kursleiter. So werden aus Patienten Helden.
Der Namensgeber wäre stolz
Mit diesem System wandeln Petra Pröfrock und die 15 weiteren festen Mitglieder des Aktions-Stammtisches auf den Spuren des französischen Arztes Philippe Pinel (1745–1826), nach dem die Gesellschaft benannt ist. Pinel kämpfte im 18. Jahrhundert gegen das unmenschliche Wegsperren von psychisch Kranken. Stattdessen setzte er auf neue, humane Behandlungsmethoden und eine sinnvolle Beschäftigung der Patienten. Er wäre sicher stolz auf die Helden aus dem Manet-Club.
Wer Pinel ehrenamtlich unterstützen möchte, kommt einfach zum Aktions-Stammtisch: Jeden 2. Montag im Monat, Große-Leege-Str. 97/98 (Eingang Bahnhofstr.), 13055 Berlin, Infos unter Tel: (030)9819240





