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Tiergarten

Hier spielt die Helden-Musik

Ein Berliner Verein organisiert Konzerte in sozialen Einrichtungen.

Das Konzert im Grunewalder Seniorenheim „Karl Steeb“ hat noch nicht begonnen, schon gibt es Unruhe. „Sprechen Sie doch lauter, ich kann nichts verstehen“, ruft eine aufgebrachte Dame in der ersten Reihe. Spätestens jetzt weiß Violinist Iskandar Widjaja (23): Der Auftritt wird eine Herausforderung.

Der Berliner Verein „Yehudi Menuhin Live Music Now“ organisiert Konzerte mit hochtalentierten, jungen Musikern in Kliniken, Behinderteneinrichtungen, Seniorenheimen und Gefängnissen. Die Idee von der Trost spendenden Musik hatte der weltberühmte Violinist Yehudi Menuhin (1916–1999). Er gründete „Live Music Now“ 1977 in England – seit 1996 gibt es den Berliner Ableger.

Und der arbeitet sehr erfolgreich: Vergangenes Jahr spielten rund 150 Musiker in über 70 Einrichtungen fast 250 Konzerte. „Die Nachfrage ist groß, unser Verein ist mittlerweile in Berlin ein Begriff“, freut sich Vorstandsvorsitzende Asta von Oppen.

Alle 30 Mitglieder des Vereins arbeiten ehrenamtlich, die Aufwandsentschädigungen für die Musiker werden durch Spenden finanziert.

„Doch wichtiger als das Geld ist für die Musiker die Erfahrung, die sie bei uns sammeln“, sagt von Oppen. „Denn hier geht es nicht nur um Leistung, sondern vor allem auch darum, was Musik in Menschen auslöst.“ Bei Konzerten in Schulen für Kinder mit Behinderung habe sie erlebt, wie die Musik beruhigend auf das ganze Nervensystem einwirkt.

Heute Benefiz-Konzert im Musikinstrumenten-Museum


Und Vorstandsmitglied Donata Gräfin von Brockdorff berichtet von dem Brief eines Gefängnis-Insassen, der schrieb, nach einem „Live Music Now“-Konzert erstmals wieder geträumt zu haben. „Bei diesen harten Jungs kann Musik einen wichtigen Beitrag zur Resozialisierung beisteuern“, ist sich von Brockdorff sicher.

Der junge Violinist im Karl-Steeb-Heim wurde übrigens von seiner Kollegin am Klavier gerettet. Nachdem die Zwischenrufe der alten Dame aus der ersten Reihe nicht aufhörten, reagierte die Pianistin geistesgegenwärtig und schrieb der schwerhörigen Dame das Programm kurzerhand auf einen Zettel.

Morgen, um 17 Uhr, findet ein Benefiz-Konzert für „Live Music Now“ statt.

Benjamin Moser spielt im Musikinstrumenten-Museum in Tiergarten (Eingang: Ben-Gurion-Straße) Klavier-Stücke von Chopin. Und Schauspielerin Corinna Kirchhoff liest Texte von und über Chopin. Restkarten für 30 Euro.
www.livemusicnow-berlin.de
 


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