Hier kommen Helden ins Stolpern
Die Gedenksteine erinnern an die Opfer des Nationalsozialismus. Wer hilft als Pflege-Pate für ihren Erhalt?
Ihr Engagement führt Melitta Rheinheimer (71) immer wieder tief in die Vergangenheit. In Archiven und alten Adressverzeichnissen sucht die frühere Lehrerin nach den letzten Wohnorten von Opfern des NS-Regimes.
Für sie verlegt sie dann sogenannte „Stolpersteine“, kleine Gedenktafeln, die vor den letzten Wohnorten der Ermordeten in das Pflaster eingelassen werden und an ihr Schicksal erinnern sollen: „Das ist eine besonders schöne Möglichkeit, die Menschen heute wieder ins Bewusstsein zurückzurufen“, sagt Melitta Rheinheimer. Sie steht in der Fehrbelliner Straße am Teutoburger Platz, an den letzten von sechs Steinen, die sie in den letzten Jahren verlegt hat: „Diese beiden erinnern an Lotte und Taube Ibermann, eine Mutter und ihre Tochter, die 1941 in Lodz ermordet wurden“, sagt sie.
Doch mit dem Verlegen ist es nicht getan, man muss sich auch um die Gedenktafeln kümmern: „Die Steine werden mit der Dauer stumpf und dadurch weniger auffällig“, sagt Melitta Rheinheimer. Deshalb werden jetzt Pflegepaten gesucht, die sich um 200 Steine in Mitte und Prenzlauer Berg kümmern und helfen, die Erinnerung aufrecht zu erhalten: „Wir suchen Menschen, die die Steine ab und zu reinigen und sich einfach mit verantwortlich für sie fühlen“, erklärt Bettina Pinzl (36) von der Netzwerkstelle Moskito, die das Patenprojekt koordiniert. Wie wichtig diese sichtbare Art des Erinnerns ist, konnte Melitta Rheinheimer übrigens Anfang dieses Jahres erfahren.
Über Google fand sie die letzte überlebende Ibermann-Tochter Sonja (87). Im Gegensatz zu Mutter und Schwester hat sie damals in England überlebt. Und war ergriffen, als sie von dem Stolperstein für ihre Familienangehörigen erfuhr: „Ich hoffe, dass viele Leute aus unserem Leben lernen und dass Schreckliche niemals wieder passiert“, schrieb sie per E-Mail.
Kontakt für Paten: Netzwerkstelle moskito, Tel: (030) 443 83 459
moskito@pfefferwerk.de







