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Charlottenburg

Heldin für die letzten Stunden

Einsatz für Todkranke. Brigitte Heim (56) ist ehrenamtliche Sterbebegleiterin.

Das Bett ist leer. Drei Monate lang hat Brigitte Heim (56) hier Karl H. in den Tod begleitet. Wenige Tage nachdem er starb, sitzt sie noch einmal in seinem Zimmer und nimmt Abschied.


Vorsichtig streicht sie ein letztes Mal über die Bettdecke, nimmt die Fotos ab, die sie wenige Monate vorher an die Wände gehängt hat: eine Blume, Landschaftsaufnahmen, das Bild eines traurig blickenden Gorillas. „Er war Hobbyfotograf“, erklärt sie, „die Bilder sollten ihn trösten.“


Brigitte Heim ist ehrenamtliche Sterbebegleiterin im Theodorus-Hospiz am Kurfürstendamm. Eine von 18 Berliner Einrichtungen, in denen Sterbenskranke bis zu ihrem Tod betreut werden. 1700 Ehrenamtliche machen das in Berlin möglich. „Ohne sie gäbe es keine Hospizbewegung“, sagt Gisela Cuno vom Berliner Hospiz- und PalliativVerband.


Brigitte Heim arbeitet seit Januar im Theodorus-Hospiz. Nach einem einjährigen Kurs, in dem sie viel über Trauer, den Umgang mit Patienten und Angehörigen gelernt hat.


Als er nicht sprechen will, liest sie ihm etwas vor


Karl H. war einer der Ersten, den sie begleitet hat. Er hatte Brustkrebs im Endstadium. „Er war sehr in sich gekehrt“, erinnert sie sich, „ich denke, er hatte große Angst vor dem Tod.“ Mit ihr sprechen will er zunächst nicht. Sie setzt sich trotzdem immer wieder an sein Bett, liest ihm etwas vor. „Aus einem Buch, das in Neukölln spielt. Weil er dort gelebt hat“, sagt sie. Das wirkt: „Irgendwann hat er angefangen zu reden, weil er die Orte darin kannte.“ Jetzt freut er sich, wenn sie wiederkommt: „Sie lesen aber gut“, sagt er. Das Eis ist gebrochen. Sie reden, manchmal bringt sie ihm ein Bier. Die Angst vor dem Tod schlägt um in Versöhnung. Zweimal die Woche setzt sie sich an sein Bett. Bis sich sein Zustand weiter verschlechtert. „Da habe ich ihm gesagt, dass ich ihn nicht vergessen werde, ihm gewünscht, dass er loslassen kann und einschläft“, sagt sie. Die Nacht darauf stirbt er.


Das Foto mit dem Gorilla, das sie von der Wand genommen hat, wird sie als Erinnerung behalten.


Bis Freitag findet in Berlin die Hospizwoche statt (www.hospizwoche.de). Wer sich engagieren will: Theodorus-Hospiz, Torsten Maes, Tel: (030)34660189
 

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