Heldentum beginnt vor der Haustür
Müllmann ehrenhalber: Martin Moritz (50) räumte den Dreck in der Nachbarschaft weg.
„Geht nicht, gibt’s nicht!“ Das hat der Steglitzer Lagerverwalter Martin Moritz (50) von seinem Vater gelernt: „Der hat mir schon als Kind beigebracht, dass es für alles eine Lösung gibt“, sagt er und hält sich dran. Als sich auf seinem Nachbargrundstück an der Steglitzer Bismarckstraße in den letzten Wochen auf einmal der Müll türmte, lief er nicht daran vorbei, wie alle anderen, sondern beschloss zu handeln: „Am Anfang lag da nur ein alter Kühlschrank, dann kamen nach und nach ein Bett, Schrottteile und immer mehr Mülltüten dazu“, beschreibt er die fortschreitende Verwahrlosung auf dem Gelände, auf dem noch das verrammelte Gebäude eines alten Supermarkts steht. Mit seinem Jetta samt Anhänger fuhr Moritz die 30 Meter von seiner Zwei-Zimmer-Wohnung rüber zum Grundstück, sammelte zwei Tage lang mit Schaufel, Rechen und Greifzange den Dreck anderer Leute zusammen.
„Ich konnte gar nicht glauben, was die da alles hingeschmissen hatten“, erinnert er sich. Schrott, Grünzeug, Tüten voller Haushaltsmüll. In zwei Fuhren karrte er alles zur BSR, bezahlte sogar noch für die Entsorgung des Gartenabfalls: „16 Euro für den Kubikmeter“, sagt er. Dabei hat der Vater von vier Kindern selbst nicht viel Geld, er arbeitet gerade Teilzeit als Chauffeur und sucht dringend einen festen Job: „Aber das war’s mir wert“, sagt er mit zufriedenem Blick auf die sauberen Flächen. Und dafür, dass es so bleibt, will der Müllmann ehrenhalber auch in Zukunft sorgen:
„Ich weiß zwar nicht einmal, wem das Gelände gehört, aber ich habe mir vorgenommen, jetzt für dieses Stückchen Erde die Verantwortung zu übernehmen.“




