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Charlottenburg

Gebt uns einen Rucksack

Für Obdachlose Menschen wie Andrea (29) aus Lichtenberg sucht die Bahnhofs- mission am Zoo Taschen-Spenden.

Wer auf der Straße lebt, keine Wohnung, kein Bett und keinen Schrank besitzt, der hängt sein Herz auch nicht an überflüssige Dinge. Alles, was Andrea (29) gehört, passt deshalb in einen kleinen, gelben Rucksack, den die junge Obdachlose immer bei sich trägt. Er ist ihr Kleiderschrank, Badezimmerregal und Keller: Im Hauptfach hat sie eine Tube Fußsalbe, Medikamente (fürs Herz und gegen epileptische Anfälle), Shampoo, Zahnbürste, eine Haarbürste, Tampons und ein Handy verstaut. Außerdem ihre schwarze Lederjacke, das einzige Kleidungsstück in ihrem Besitz, das sie gerade nicht am Körper trägt. „Alles andere, auch Unterwäsche, bekomme ich aus der Kleiderkammer.“


Liebesromane im Vorderfach


Die kleine Tasche vorn ist Andreas Bücherregal: Darin liegen eine Taschenbuchausgabe des Neuen Testaments und drei Liebesromane. „Jeden Monat kaufe ich mir da einen Band“, sagt sie, „weil die Geschichten so schön sind und immer gut ausgehen.“


Seit 13 Jahren lebt die Lichtenbergerin auf der Straße, mit 16 Jahren ist sie von zu Hause abgehauen. „Es gab halt immer Stress und irgendwann bin ich einfach weg“, sagt sie.


Eine Tasche gibt Obdachlosen ein Stück Würde zurück


Eine Lehre zur Kaufmännischen Angestellten hat sie ebenfalls geschmissen: „Wegen Alkohol“, gibt sie zu. Der ist bis heute ihr Problem.


„Fast alle wohnungslosen Menschen tragen ihre persönliche Habe mit sich herum, oft in mehreren Plastiktüten verstaut“, sagt Dieter Puhl, Leiter der Bahnhofsmission am Zoo, aus deren Kleiderkammer auch Andrea ihren Rucksack hat. Für Puhl ist der genauso wichtig wie ein Mantel oder warme Schuhe.


Die Berliner Stadtmission möchte ein Signal des Respekts geben und bittet dringend um Rucksäcke für wohnungslose Menschen.


„Wer sein weniges Hab und Gut in einen Rucksack packen kann, erhält ein Stück seiner Würde zurück“, sagt er. Und gewinnt manchmal Mut für einen Neuanfang. Andrea will im Frühjahr unbedingt trocken werden: „Mein Freund und ich haben sogar eine Wohnung in Aussicht“, sagt sie stolz. Die Papiere für ihr neues Leben hat sie bereits beisammen. Auch sie sind vorn in dem kleinen Tragebeutel verstaut. Andrea glaubt fest an ihr Happy End.


Wer eine Tasche – gern gebraucht – spenden möchte, wendet sich an die Bahnhofsmission am Zoo, Jebensstraße, Tel: (030)3138088.
 

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