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Mitte

Frisches Obst für die Stadtmission

Die Notübernachtung braucht zurzeit frisches Obst und gebrauchte Möbel.

Dreißig Männer und ein paar Frauen stehen auf den 12 Stufen, die zur Notunterkunft der Berliner Stadtmission hinabführen und warten ungeduldig auf Einlass. Als es anfängt zu regnen, klopfen ein paar an die blaue Stahltür. Umsonst.

Erst um halb neun öffnet Reinhard Wendland (67) die Tür. Wie jeden Abend. „Wir sind immer pünktlich, auch wenn es uns manchmal leidtut“, sagt er und drückt die Türe auf. Drei Wochen lang ist er der Türsteher vor Berlins größter Notunterkunft für Obdachlose Menschen – der Zerberus der Wärmestube, verbringt den Urlaub zusammen mit Frau Ilse (59) dort, wo die meisten Menschen nicht einmal für Bezahlung sein wollten: Mitten unter Berlins Obdachlosen in der Notunterkunft der Stadtmission in der Lehrter Straße. 15 Helfer versorgen hier pro Nacht bis zu 170 Obdachlose mit Essen, bieten 60 Übernachtungsplätze.

„Wir wollten einfach etwas Sinnvolles tun“, erklärt Reinhard diese etwas andere Form des Urlaubens, „uns geht es gut, wir wollten etwas zurückgeben.“
In Dorum, einem Dorf bei Cuxhaven, verkaufen die beiden Strandkörbe, engagieren sich in der Kirche: „Unsere Motivation kommt aus dem Glauben.“

Am Eingang tastet Reinhard die ersten „Gäste“ ab. Schaut in die Taschen, unter die Mütze. „Schon mal hier gewesen? Bitte hier in die Liste eintragen.“ Standardprozedur: Alkohol oder Waffen sind verboten.

Die Habseligkeiten verstaut er in einem Raum neben der Eingangstür:

Rucksäcke, Koffer, Tüten voller Kleidung. Viele geben gesammelte Flaschen zur Aufbewahrung. Ein anderer eine volle Pulle Berliner Pilsener und drei Spritzen. Drogen oder Insulin? Danach fragt hier keiner. „Das sind eben die Wertgegenstände“, sagt Reinhard.

Während er an vorderster Front steht, hält sich Ilse lieber im Hintergrund, steht in der Küche und schnippelt Gemüse oder gibt das Essen aus. „So viele große Töpfe, das macht mir richtig Spaß“, sagt sie. Heute gibt’s Spaghetti Carbonara.

„Die Idee, hier zu arbeiten, hatte mein Mann“, erzählt sie. „am Anfang war ich skeptisch und hatte ein wenig Angst. Aber das war unbegründet. Die meisten Besucher sind höflich und sehr dankbar.“ Manchmal gibt’s trotzdem Stress. Bei Reinhard zieht sich ein Besucher gleich ganz aus, weil er sich nicht durchsuchen lassen will: „Jetzt mach hier mal keinen Striptease“, raunt ihn Reinhard im norddeutschen Slang an. Das wirkt. Von halb neun bis halb eins nachts dauert die Schicht der Ehrenamtsurlauber. Doch auch wenn sie in ihrer Freizeit in Berlin richtig Urlaub machen, bleiben ihnen die Obdachlosen treu: „In der S-Bahn kennt uns schon jeder Motzverkäufer. Einer ist uns sogar um den Hals gefallen“, sagt Reinhard.

Die Notübernachtung braucht zurzeit frisches Obst und gebrauchte Möbel. Kontakt: Tel: 690 33 520