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Mitte

Diesen Helden vertrauen wir blind

Der Verein Tandem-Hilfen organisiert Fahrradtouren für Sehbehinderte.

Gefährlich wird es, wenn Mahmut Talay (36) kurz nicht daran denkt, wer hinter ihm auf dem Tandem sitzt. „Wenn wir unter tief hängenden Ästen durchfahren, vergesse ich manchmal, Bescheid zu sagen“, sagt er. Das kann für Mitfahrer Thomas Nicolai (59) schmerzhaft werden. Denn dieser ist fast blind – und deshalb auf die Hinweise seines sehenden Steuermanns angewiesen.


Zum Glück kommt es selten zu solchen Missgeschicken. „Tandem-Fahren ist für Blinde eine sehr sichere Möglichkeit, sich sportlich zu betätigen und die Welt zu erleben“, sagt Nicolai, der vergangenes Jahr den Verein Tandem-Hilfen gründete.


Begeisterter Tandem-Fahrer aber ist er schon viel länger. Deshalb organisierte er 2004 erstmals mit zwei Rad-Pärchen eine Tour von Berlin nach Athen – 3000 Kilometer in 40 Tagen. „Unterwegs haben wir Blindeneinrichtungen wie Begegnungsstätten, Schulen und Bibliotheken besucht“, berichtet Nicolai. Denn sein Verein will auch Institutionen für Sehbehinderte unterstützen.


Die Medien-Resonanz in den besuchten Ländern war groß. Und so wurde die Aktion wiederholt: 2006 ging es nach St. Petersburg, vergangenes Jahr radelte man bis Paris. Auf den Touren wurden Hilfsmittel im Wert von rund 75000 Euro an Blindenschulen und -vereine übergeben, darunter Blindenschrift-Schreibmaschinen, Computer, elektronische Lesegeräte, weiße Langstöcke, sprechende Haushaltsgeräte – und natürlich Tandems.

„Manchmal will sie mitten auf der Kreuzung plötzlich anhalten“
Denn Nicolai will das Tandem-Fahren für Blinde populär machen. „Für uns ist das eine wunderbare Art, als gleichberechtigte Partner dabei zu sein“, sagt Helga Liedke (56), von Geburt an blind. Auch sie war mit in Paris, auf dem vorderen Sattel saß ihr Mann Rupert (53), mit dem sie seit 22 Jahren verheiratet ist. „Wir fahren Tandem, seit wir uns kennen“, erzählt er.

 

„Unsere Kinder haben wir damals sogar im Hänger mitgenommen.“ Alles Routine also für die Liedkes? Nicht ganz. Manchmal merkt auch Rupert Liedke, dass seine Mitfahrerin die Welt anders erlebt: „Wenn sie mich etwa mitten auf der Kreuzung etwas fragt und ich ihr erklären muss, dass anhalten gerade schlecht ist“, sagt er lachend.


Wer den Verein Tandem-Hilfen unterstützen möchte, meldet sich bei Dr. Thomas Nicolai unter Tel: (030)2081720 oder per E-Mail an: thomasnicolai@gmx.dewww.tandem-hilfen.de
 

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