Was ist der Heldenstundenzähler? Der Heldenstundenzähler zählt die geleisteten freiwillig geleisteten Stunden der Projekte, die wir täglich vorstellen. mehr...

Charlottenburg

Die Welt im Schmerz

Einfühlsame Gespräche am Sorgen-Telefon der Berliner Aids-Hilfe.

„Manche Anrufe ziehen einem den Boden unter den Füßen weg“, sagt Diplomingenieur Dirk Flöter (38). Seit zwei Jahren arbeitet der Schöneberger ehrenamtlich für die Telefon-Hotline der Berliner Aids-Hilfe – kein leichter Job.
„Einmal hat ein junger Mann angerufen, der erst minutenlang nur schrie und weinte“, sagt Flöter. „Dann hat er erzählt, dass er gerade erfahren hat, dass er sich mit HIV infiziert hat. Der Brief mit dem Testergebnis lag offen auf dem Küchentisch. Seine Frau hatte ihn geöffnet und gelesen und war mit dem Kind schon weg.“


Auch Edda Bahnemann (53) kann solche Geschichten erzählen. Seit 2002 sitzt sie einmal in der Woche für vier Stunden bei der Aids-Hilfe in der Charlottenburger Meinekestraße an der Hotline. „Man kann es so sagen: Der Job deckt alle Lebensbereiche ab“, sagt sie.


Besonders viele Anrufer nach dem Wochenende


Denn für viele Menschen ist der Anruf hier die erste Informationsquelle über das HI-Virus. Flöter und Bahnemann teilen die Anrufer grob in drei Kategorien ein. Erstens Menschen, die sich frisch infiziert haben, oder einen Menschen kennen, der sich infiziert hat. Zweitens alle, die wissen wollen, wo man sich testen lassen kann (bei der Aids-Hilfe und den Gesundheitsämtern) und drittens die „Phobiker“ – alle, die Angst haben, etwas falsch gemacht zu haben und das Risiko abschätzen wollen. „Die sind vor allem nach den Wochenenden unsere Hauptkunden“, sagt Flöter. Alle Anrufe, die unter der Nummer 19411 eingehen, bleiben anonym. „Wir notieren keine Nummern und Namen. Darauf kann sich jeder verlassen“, betont Dirk Flöter.


Zehn Anrufe gibt es im Schnitt am Tag. „Manche sind kurz, manchmal spricht man aber über eine Stunde“, erklärt Bahnemann. Wie alle Helfer wurde sie gut auf psychisch belastende Tätigkeit an der Hotline vorbereitet. An drei Wochenenden schult die Aids-Hilfe Interessierte, klärt in medizinischen und psychologischen Vorträgen über Infektionswege, Gesprächsführung und den Stand der Forschung auf. „Aber ganz wichtig ist auch, dass jeder Helfer seine Grenzen kennt, nicht alles an sich heranlässt“, erklärt Ehrenamtsmanagerin Anette Lahn.


„Wir versuchen, Eis in die Hölle zu werfen“


Denn die Anrufe sind oft belastend: „Wenn jemand anruft, der sich gerade frisch infiziert hat und nicht weiß, wie es weitergehen soll, dann trifft einen das natürlich schon“, sagt Edda Bahnemann.


Dann versuchen die Helfer erst einmal „Eis in die Hölle zu werfen“, wie sie es nennen. Also den Anrufer zu beruhigen. „Aids ist kein Todesurteil mehr. Die Medizin hat Fortschritte gemacht. Man kann mit der Krankheit leben. Das ist das Wichtigste, was wir vermitteln wollen“, so Bahnemann.


Rund 40 ehrenamtliche Mitarbeiter engagieren sich in der Berliner Aids-Hilfe. Gemeinsam betreuen sie Menschen im Krankenhaus, in der Justizvollzugsanstalt, sammeln Spenden oder beantworten Anrufe an der Hotline.

 

Jeden zweiten Freitag veranstaltet die Aids-Hilfe einen Info-Abend für Menschen, die Interesse an einer ehrenamtlichen Mitarbeit haben. Beginn ist um 17.30 Uhr in der Meinekestraße 12. Kontakt: Anette Lahn Tel: 88564040
 


 

Was kann ich tun?

Projekt suchen und Helfen