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Die Straße hat ihre eigenen Helden

Eckhard Baumann kümmert sich am Alex um obdachlose Jugendliche.

In den Supermärkten liegt der Lebkuchen, Schal und Handschuhe sind längst ausgepackt, die Jüngsten freuen sich schon auf Rodeln und Weihnachten. Doch für Sarah (19) beginnt jetzt die härteste Zeit des Jahres. Seit zwei Jahren lebt sie auf der Straße, und je kälter es wird, desto glücklicher ist sie, dass es den Verein Straßenkinder e.V. gibt.


Einmal in der Woche fährt Eckhard Baumann (43) mit seinem weißen Kastenwagen am S-Bahnhof Alexanderplatz vor. Noch bevor er die Türen des Kofferraumes öffnet, sind die ersten Stammgäste da: Punks, Ausreißer, Drogenabhängige. Nach Schätzungen leben rund 2000 Jugendliche in Berlin auf der Straße. Sie wissen, dass sie bei Ecki, wie alle ihn nennen, heißen Tee und eine warme Mahlzeit bekommen. Heute gibt es Reis mit Champignons, den die Freiwillige Elle Holt (20) gerecht auf Plastiktellern verteilt.


„Mal sind es 20, ein anderes Mal mehr als 80 Kinder, die kommen“, sagt Eckhard Baumann.


Vor 15 Jahren gründete der gelernte Konstrukteur den Verein, weil er sich mit seiner Frau für sozial schwache Kinder engagieren wollte: „Angefangen haben wir mit Tee und Keksen an der Gedächtniskirche“, sagt er. Mittlerweile arbeiten zehn fest angestellte Mitarbeiter bei Straßenkinder e.V.


Bundesverdienstkreuz für den Helfer


Eine Erfolgsgeschichte, für die der Helfer im Dezember sogar das Bundesverdienstkreuz verliehen bekommt. „Das ist ein Ritterschlag“, freut er sich, „der es leichter macht, in Zukunft weitere Hilfe zu ergattern.“


Denn die ist nötig. Am Alex sind die Wannen heute schnell leer und Sarah ist froh, noch etwas ergattert zu haben. Für sie sind Projekte wie dieses überlebenswichtig, seit sie 2007 von zu Hause weglief, von Köln nach Berlin kam. „Meine Oma, die wichtigste Bezugsperson, war gestorben“, erzählt sie, „und meine Mutter schlug mich.“ Sie wohnte bei Freunden, zeitweise auf der Straße, dann in einer Krisenwohnung. Seit Ende 2008 hat Sarah keinen festen Wohnsitz mehr.

 

Sechs Tage im Monat darf sie eine Notschlafstelle nutzen, wo sie auch duscht und ihre Klamotten wäscht. Doch für Eckhard Baumann geht es nicht nur darum, die Kinder in ihrem täglichen Existenzkampf mit Essen oder Schlafsäcken zu unterstützen. „Durch unser Angebot wollen wir mit den Jugendlichen ins Gespräch kommen“, sagt er. „Und ihnen dann Perspektiven aufzeigen, wie sie sich aus ihrer Situation befreien können.“ Ein Teller mit Reis ist dabei nur der erste Schritt.

Wer helfen will, meldet sich unter Tel: (030)300244550