Die Lizenz zum Lebenretten
Ein Berliner Verein kümmert sich um Menschen, die auf ein Spenderorgan warten.
Der Tod gehört zum Ehrenamt von Hans-Jürgen Templin (63) dazu: „Hans – ich sterbe in drei Stunden. Du musst noch was für mich tun“, hat ihn einer seiner Patienten kurz vor Weihnachten ans Bett gerufen. Dann drückte er ihm einen Stapel Kassetten in die Hand: „Verteil die an alle, die in den letzten Wochen für mich da waren.“ Templin erfüllte dem sterbenden Lungenpatienten seinen letzten Wunsch.
Doch hauptsächlich kümmert sich der frühere Kellner um die Lebenden. Für den Verein „Interessengemeinschaft Organtransplantierter Patienten“ (IOP) betreut er Menschen, die in Berliner Krankenhäusern auf ein Spenderorgan warten. Seit 13 Jahren, damals hat er selbst eine neue Lunge bekommen: „Als Betroffene können wir mit dem Thema ganz anders umgehen als Ärzte“, sagt er.
Zusammen mit IOP-Vorstand Klaus-Dieter Gohdes (55) besucht er alle 14 Tage im Paulinenkrankenhaus in Wilmersdorf Patienten, die auf ein Spenderorgan warten: „Manchmal müssen die mehrere Monate im Krankenhaus bleiben“, erklärt Gohdes, „und nicht immer kommt das Organ rechtzeitig.“
Auch er weiß, wovon er spricht. Seit sieben Jahren lebt er mit einem neuen Herzen. „Vor der OP habe ich mir geschworen: wenn ich das überlebe, engagiere ich mich für andere Patienten.“
Acht sind es heute, die das Angebot der IOP annehmen: Alle rollen einen „Galgenbaum“ mit Medikamenten neben sich her. „Das ist unser Herz-Doping“ witzelt Dirk Stubbe (34), während er sich setzt. „Diese Treffen sind Gold wert“, sagt er über das Angebot der Selbsthilfegruppe, „die Jungs sprechen ja alle aus Erfahrung. Das macht Mut.“
Denn Templin und Gohdes nehmen ihm und den anderen Wartenden die Angst vor dem Leben mit einem Spenderorgan: „Wenn ich mich vor die hinstelle und sage, ich lebe schon lange mit einem neuen Herzen, dann ist da wieder Licht am Ende des Tunnels“, sagt Gohdes. Und er hat noch einen Wunsch: „Liebe Berliner, bitte füllt einen Spenderausweis aus – damit könnt ihr Leben retten.“ Das ist der Kern ihrer Arbeit, auch wenn der Tod dazu gehört.
Informationen:
IOP, Zescher Straße 12, 12307 Berlin, Tel: (030) 764 045 93

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