Die Frau, die das Tor zur Hilfe hütet
Sabine (59) sorgt im Frauenhaus dafür, dass die Tür nur Bedürftigen offen steht
Pfortendienst hört sich erst einmal unspektakulär an. An der Tür sitzen und warten, bis es klingelt – auf den ersten Blick keine besonders spannende Aufgabe. Dabei hängt es nur von der Tür ab, die man da im Auge behalten muss, wie spannend der Job ist.
Die ehrenamtliche Pförtnerin Sabine (59) hat einen aufregenden, vor allem aber verantwortungsvollen Job. Einmal in der Woche, immer mittwochs, sitzt sie im Frauenhaus der Caritas und hält dort aus ihrer Loge hinter einer grauen Jalousie den Garten samt Tor im Blick.
Die Adresse wird nicht verraten
„Unsere Aufnahme muss rund um die Uhr besetzt sein, schließlich suchen Frauen zu jeder Tages- und Nachtzeit Hilfe", erklärt Leiterin Gabriele Kriegs. „Ohne den Einsatz Ehrenamtlicher wäre das nicht möglich."
„Es gibt eine Pflicht zur Mitarbeit. Wer hier wohnt, muss auch Dienste übernehmen", sagt Gabriele Kriegs, „nachts übernehmen deshalb unsere Bewohnerinnen den Telefon- und Pfortendienst."
Der erste Kontakt findet dabei immer übers Telefon statt. Eine große Verantwortung. „Da muss man erst einmal herausfinden, ob eine Frau wirklich von Gewalt bedroht ist und aufgenommen wird", erklärt Sabine. Dann wird ein Treffpunkt vereinbart und die Betroffene abgeholt. Die Adresse des Hauses wird am Telefon nicht verraten. „Schließlich sollen hier nicht irgendwann die gewalttätigen Männer vor der Tür stehen."
700 Frauen und Kinder nimmt das Haus im Jahr durchschnittlich auf. „Die meisten kommen akut nach einem Einsatz der Polizei", erklärt Kriegs. Andere über das Jugendamt oder haben die Nummer von Freunden bekommen.
Seit sieben Jahren ist die frühere Versicherungsmitarbeiterin im Frauenhaus aktiv. Sie mag die Herausforderung, die ihr Pfortendienst beinhaltet: „Hier ist kann Menschen in akuter Not helfen. Das gefällt mir." Vor allem, wenn mal wieder eine Frau mit ihren Kindern den Weg in ihr kleines Empfangszimmer gefunden hat – und: „Die meisten schauen dann gleich ganz erleichtert, wenn sie merken, dass sie jetzt in Sicherheit sind".
Das Frauenhaus sucht für den Montag noch eine ehrenamtliche Helferin, außerdem Kleiderspenden für die Bewohnerinnen. Kontakt: Katja Eichhorn, G (030). 857. 84. 120.
Tagsüber übernehmen das Ehrenamtliche von außerhalb, nach 18 Uhr die Bewohnerinnen selbst.





