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Prenzlauer Berg

Die ersten Helden putzten und kehrten ihren Kiez


In allen Stadtteilen engagieren sich Menschen für ihren Kiez. Sie packen an und mischen sich ein. Und wann steigen Sie ein?

Die B.Z. sucht neue Helden, aber natürlich haben wir vorher schon Projekte besucht und Heldentaten begleitet. Hier sehen Sie die ersten Helden beim freiwilligen Mülleinsatz in Prenzlauer Berg. Motto: Lasst uns die Platte polieren.

 

Grüner Iro, dicke Piercings in Ohren und Lippe und schwarze Springerstiefel an den Füßen. Ganz ehrlich: Auf den ersten Blick wirken die beiden Punks Jens (20) und Linda (21) nicht wie ehrenamtliche Müllsammler. Aber genau das sind sie heute. Seit vier Stunden räumen die beiden zusammen mit 30 anderen Anwohnern ihren Kiez auf: „Ist doch Ehrensache“, sagt Linda, „wir wohnen hier, und der Dreck nervt einfach – deshalb packen wir mit an“. Der Jugendtreff „Kinderzimmer“ in der Hanns-Eisler-Straße hat heute zur großen Sammelaktion aufgerufen. „Weil der Müll hier einfach überhand nahm“, sagt Mitarbeiter Simon Matheja (36).

 

Morgens um 10 sind die Jugendlichen und Kinder des Treffs zusammen mit Freunden und Anwohnern zur Kehraktion ausgeschwärmt. Und waren geschockt: „Wir haben Batterien, Dutzende Plastiktüten, Pappteller, eine halbe Schrankwand und ein ganzes Fischbrötchen gefunden, das einer in die Büsche geworfen hat“, sagt Matheja. Vor allem in den Hecken, auf den Spiel- und Sportplätzen türmte sich der Müll. „Hier ist am Wochenende immer Party, und die Jugendlichen lassen dann ihren Dreck und ihre Flaschen da“, sagt Heilerziehungspflegerin Sabine (25). Sie läuft mit einer Greifzange in der linken und Töchterchen Laura (5) an der rechten Hand die Grünstreifen an den Plattenbauten entlang, sammelt ein, was nicht dort hingehört. Für sie selbstverständlich: „Man kann ja nicht immer nur meckern, dass es dreckig ist – man muss auch selbst etwas tun.“ Denn: „Wir sind alle zusammen für unseren Kiez verantwortlich.“

 

Das Putz-Equipment kommt von der BSR. Im Rahmen der Aktion „Kehrenbürger“ unterstützen die Müll-Profis die Freiwilligen mit Besen, Schaufeln, Greifzangen und orangefarbenen Sicherheitswesten. Auch Benjamin (10) hat sich eine der Westen angelegt, kriecht seit Stunden in die Hecken, sammelt Dosen, Papier und Plastik. Zusammen mit Kumpel Marc (10) schaufelt er den Müll danach in einen großen blauen Sack. Die beiden Viertklässler wissen genau, warum sie das machen. „Dreck nervt“, sagt Benjamin, „und außerdem zieht er Wespen und Fliegen an“.

 

Knapp 30 Müllsäcke türmen sich vor dem Eingang des „Kinderzimmers“. Stolz klettern die Kids auf den Müllberg. Zum Abschluss gibt’s dann für alle Müll-Helden ein Grillfest. Ihre Pappteller und Becher haben sie danach natürlich alle in die Mülltonnen geschmissen.



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